Protestbewegung in New York
Mittwoch, 12. Oktober 2011

In den USA sorgen die wachsenden Proteste zunehmend für Unruhe: Überall in den USA gehen wütende Bürger gegen die Misstände im Land auf die Straße. Die ersten Ausläufer der Bewegung erreichen sogar den US-Wahlkampf. Die Parteien wehren sich nach Kräften - und fahren verbal schwere Geschütze aus.
Der unerwartet warme New Yorker Sommer kommt ihnen recht, doch einfach haben es die Demonstranten nicht, die nun schon seit vier Wochen im Zucotti-Park campieren – nahe der Wall Street. "Occupy Wall Street" verläuft friedlich, trotz aller Kritik.
Kritik gibt es von vielen Seiten. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg fürchtet, die Demonstranten könnten die Stadt Jobs kosten oder gar die milliardenschwere Finanzbranche vertreiben. Die Republikaner auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene sehen entsetzt einen "Mob". Sie glauben, dass "Amerikaner jetzt Amerikaner gegeneinander aufbringen". Am lautesten wettern die Kandidaten im republikanischen Vorwahlkampf gegen die Linken: Mitt Romney spricht von "Klassenkampf", Herman Cain findet die Proteste "un-amerikanisch".
Größeren Blödsinn hat man selten gehört, auch wenn sich ein guter Teil der US-amerikanischen Medien redlich bemüht, die Protestaktionen in das schlechtestmögliche Licht zu stellen. "Ich habe gehört, dass viele Leute bezahlt werden, um hier zu protestieren", behauptet eine Moderatorin des Senders CNBC. Auch der Murdoch-Sender Fox stellt regelmäßig unerhörte Behauptungen auf und beruft sich darauf, dass man das "von manchen Leuten gehört" habe. Legitim ist das nicht. Wo ist da die sogenannte "Redefreiheit".
Doch nicht nur die Kritik an den Protesten wächst, auch der Zusammenhalt im Zucotti-Park, die Aktionen rund um die Wall Street und die Unterstützung von außen nehmen zu. Mittlerweile marschieren sogar Schauspieler mit und skandieren "We are the 99 percent", selbst Politiker aus dem liberalen Lage unterstützen die Bewegung – gegen deren ausdrücklichen Wunsch.
Die Demonstranten sind von den Demokraten genauso enttäuscht wie von den Republikanern. Es geht hier nicht um Parteipolitik, sondern um die soziale Ungerechtigkeit in einem der reichsten Länder der Welt, in dem ein paar wenige Milliarden haben und ein Großteil unterhalb der Armutsgrenze vegetiert.
Die Schwerreichen an der Wall Street, die Bosse, die keine Steuern zahlen und mit ihrer Lobbypolitik Washington in der Hand haben, wüssten, dass ihre Position zwar lukrativ ist, aber moralisch nicht zu rechtfertigen. Um so golden weiterleben zu können wie bisher, müssen sie jede genaue Betrachtung der Situation unterdrücken, denn zu offensichtlich ist, dass im endlosen Spiel der US-amerikanischen Politik und Märkte die Karten gezinkt sind. Die Demonstranten halten einen Scheinwerfer drauf, und das muss man verhindern.
Rund um den wichtigsten Finanzplatz der Welt legt man sich ganz schön ins Zeug, um die Demonstranten zurückzuhalten. Kilometerlange Barrieren halten den Fußverkehr in engen Bahnen, vor der New Yorker Börse patrouillieren berittene Polizisten, und der Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken gegen friedliche Demonstranten hat längst für Schlagzeilen gesorgt.
Die Besetzer müssen einiges einstecken, doch es scheint, dass ihre Botschaft immer weitere Kreise zieht und vielleicht sogar einen Richtungswechsel einleiten kann.
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