Bankenpleiten wie anno Lehmann, die Angst geht um...
Donnerstag, 15. September 2011

Drei Jahre nach dem Lehman-Crash sind Bankenpleiten in Europa ein großes Thema. Ein Lehmann 2.0? Darauf dürfte derzeit kaum jemand wetten. Viele warten auf den großen Knall in Frankreich. Berlin spielt vorsorglich schon einmal das Szenario Bankenrettung durch.
Man braucht nicht nach Amerika zu schauen, um Finanzinstitute zu finden, denen wegen ihrer Geschäftspraktiken die Pleite droht. Seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 haben die Staaten zwar die Zügel an den Finanzmärkten angezogen. Aber auch heute noch liegt in der Bankenwelt einiges im Argen.
Derzeit kämpfen vor allem die französischen Großbanken Agricole und die Société Générale damit, in der europäischen Staatsschuldenkrise Oberwasser zu behalten. Wegen ihrer Engagements in Bonds hochverschuldeter Eurostaaten an der Peripherie stufte die Ratingagentur Moody's das Ranking für die Institute herab. Marktführer BNP Paribas kam noch mit einem blauen Auge davon.
Sollten die kriselnden Eurostaaten umkippen, haben die Banken ein Problem. Selbst die Staatspleite eines vergleichsweise kleinen Landes wie Griechenland dürfte aller Voraussicht nach eine Reihe Insolvenzen von Banken anderer Länder nach sich ziehen. Das Vertrauen der Investoren ist also wieder einmal tief erschüttert. Und drei Jahre nach Lehman stellt man sich in Europa dieselben Fragen wie damals: Müssen Finanzinstitute gerettet werden? Und, wenn ja, wer soll es tun?
Und auch Frankreich ist bereits in der Spur, seinen Banken durch Verstaatlichung beizuspringen, wie man munkeln hört. Die Stimmen die dies fordern werden nicht weniger. Verstaatlichungen von Banken, die kritische Staatsanleihen-Portfolios besitzen, seien unerlässlich, um eine Eskalation in der Staatsschuldenkrise zu vermeiden und das Finanzsystem zu stabilisieren, so der ehemalige BDI-Chef.
Seine Zweifel sind begründet: Nach Informationen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) halten die französischen Banken über die meisten Staatsanleihen aus den Euro-Krisenstaaten. Nach Bankenangaben schmoren dort neben Griechenbonds noch jede Menge italienischer Anleihen, die mittlerweile ebenfalls deutlich im Wert gefallen sind. Wie es heißt, standen im Juni Papiere im Wert von mehr 35 Milliarden in den Büchern.
KfW-Chef Ulrich Schröder schätzt die Lage heute tatsächlich sehr viel dramatischer ein als 2008. Denn heute seien viele Staaten wegen ihrer eigenen Schuldenprobleme gar nicht mehr in der Lage, ihre Geldhäuser in einer ähnlichen Krise aufzufangen. "Die Banken sind nicht aus der Gefahrenzone heraus", warnt Schröder.
Und wieder werden Rettungsleinen geknotet. Aber warum konnten Banken wieder in eine derartige Schieflage geraten? Trotz angestrengter Regulierungsversuche der Finanzmärkte und der Eigenkapitalvorschriften durch Basel III hat sich in der Bankenwelt offenbar nicht viel geändert. Die Krux ist, die Vernetzung der Großbanken im Weltfinanzsystem, die von außen kaum zu durchschauen ist.
Aber bisher sind eben Pleiten kleinerer Institute erprobt. Wenn in den USA Regionalbanken Pleite gehen, ist das für das große Ganze nicht relevant. Es fällt leichter. Die Unsicherheiten lauern bei den Großbanken. In der Eurokrise betreten alle Beteiligten ständig Neuland. Möglicherweise muss eben auch noch ausgetestet werden, was passiert, wenn ein Staat seinen eigenen Banken nicht mehr helfen kann.
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