Wann platzt die Kursblase bei Volkswagen?
Freitag, 25. Juli 2008
Volkswagen läuft und läuft und läuft. Was man früher über den VW Käfer gesagt hat, dass trifft momentan auf die Volkswagen Aktie zu, denn mit der Kursentwicklung der letzten Jahre stellt der Konzern fast alle anderen vergleichbaren Wertpapiere in den Schatten. Die Halbjahreszahlen diese Woche hievten den Wert erstmals über 200 EUR und damit auf ein neues Allzeithoch und das in Zeiten, in denen der Dax sich bei 6500 Punkten bewegt und Konkurrenten wie Daimler den Markt mit Gewinnwarnungen schocken. Auf den ersten Blick schon erstaunlich diese Kursentwicklung, allerdings dürfte sie zu größten Teilen darauf zurückzuführen sein, dass Porsche sich seit geraumer Zeit die Macht bei VW sichert.
Nachdem am Mittwoch die EU Kommission für eine Übernahme grünes Licht gegeben hat dürfte Porsche den Übernahme Deal noch im Jahr 2008 perfekt machen, denn immerhin ist man mit aktuell knapp 31 Prozent der Stimmanteile schon größter VW Einzelaktionär. Bis zum zweiten September wird der Anteil auf 36 Prozent ansteigen und bis zum Jahrsende will man sich schließlich endgültig die Mehrheit über den Wolfsburger Konzern gesichert haben und über 50 Prozent der Stimmanteile halten. Die Porsche Verantwortlichen setzen dabei weiter, wie in der Vergangenheit, auf eine ausgeklügelte Strategie, nämlich dem Erwerb von Aktienoptionen auf Volkswagen, die zu den fälligen Stichtagen von den Stuttgartern ausgeübt werden, so dass die jeweiligen Banken selbst am Markt als Käufer auftreten müssen, um letztendlich Porsche die VW Aktien liefern zu können.
Durch dieses Vorgehen resultiert eine konstant hohe Nachfrage nach Volkswagen Aktien, welches größtenteils die Erklärungen für den enormen Kursanstieg sein dürfte und sicher schon einigen Spekulanten den letzten Nerv geraubt haben dürfte, da auf fallende Kurse gesetzt wurde. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie allerdings den richtigen Riecher hatten, nur leider eben zu frühzeitig ist meiner Meinung nach sehr groß, denn die entscheidende Frage wird in Zukunft folgende sein: Was passiert mit dem Aktienkurs von Volkswagen, wenn Porsche sich durch Aktienkäufe und Optionen über 50% der Anteile an dem Wolfsburger Konzern gesichert hat und am Markt nicht mehr als Nachfrager auftritt?
Unserer Meinung nach wird in dem Moment, in dem Porsche bekannt gibt, dass sie über 50% der Stimmrechte an Volkswagen halten langsam die Luft aus dem VW Luftballon gelassen. Die Aktienmärkte werden sich höchstwahrscheinlich noch immer in schwierigem Fahrwasser befinden und die Marktteilnehmer werden auch bei Volkswagen anfangen mehr auf die fundamentalen Daten zu schauen, als auf Porsche. In diesem Punkt scheint Volkswagen dann verwundbar zu sein, denn im Vergleich zu Daimler und BMW weist VW mit knapp 17 ein mehr als doppelt so hohes KGV auf.
Desweiteren kann sich der Wolfsburger Konzern natürlich nicht vollständig von den momentanen Problemen der Automobilbranche loseisen, denn auch VW muss Antworten auf Fragen nach klimafreundlicheren Antriebstechnologien oder hohen Rohstoffpreisen finden. Letztendlich verbleibt mit Porsche noch eine Variable in dem Szenario, die man allerdings aufgrund der bisherigen cleveren Schachzüge im VW Übernahmepoker nicht unterschätzen sollte. Theoretisch , Porsche dementiert bisher solche Absichten, könnten die Stuttgarter natürlich auch nach dem Überschreiten der 50 Prozent Schwelle weitere Aktien an der Börse zukaufen, um den Anteil auf bis zu 75 % aufzustocken.
Generell sollte man solche Gedankengänge und die weiteren übergeordneten Absichten der Porsche Eigentümer natürlich im Auge behalten. Allerdings würde eine weitere Aufstockung der Anteile Porsche noch einmal bis zu 15 Mrd. EUR kosten, wenn man das aktuelle Kursniveau als Maßstab nimmt, so dass sich Porsche vermutlich eher abwartend verhalten wird, zumal man sich mit dem über 50 prozentigem Aktienpaket, den Einfluss auf Volkswagen gesichert hat.




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