Volkswagen bei 300 EUR: Wann wird Niedersachsen schwach?
Donnerstag, 18. September 2008
Die Volkswagen Aktie hat am Donnerstagnachmittag erstmals die Marke von 300 EUR überschritten und kann damit innerhalb der letzten drei Tage auf einen Kurszuwachs von rund 100 EUR zurückblicken. Marktteilnehmer reiben sich verwundert die Augen und die Gerüchteküche ist in vollem Gange.
Hieß es gestern noch, dass der Kursanstieg der Volkswagen-Aktie aufgrund von Shorteindeckungen im Zusammenhang mit der Lehman Brothers Pleite zu suchen ist, argumentiert man heute damit, dass Porsche als Käufer am Markt auftritt und um jeden Preis VW Aktien erwirbt.
Niedersachsen hält trotz hoher Schuldenlast an Volkswagen fest
Trotz des starken Kursanstieges halten das Bundesland Niedersachsen und ihr Ministerpräsident Christian Wulff bisher noch an der Landesbeteiligung fest. Niedersachsen hält an Volkswagen laut dem letzten Geschäftsbericht knapp über 58,5 Mio. Aktien. Die Beteiligung hat damit einen Wert von ca. 17,5 Mrd. EUR. Trotz des Bekenntnisses zu Volkswagen stellt sich nun allerdings langsam die Frage wie sinnvoll das sture Festhalten an dem Wolfsburger Konzern denn wirklich ist.
Auf der einen Seite hat man den interessierten Käufer Porsche, der den VW Konzern gerne komplett kontrollieren würde und aus diesem Grund gegen das VW Gesetz in Brüssel anrennt . Auf der anderen Seite hat man das hoch verschuldete Land Niedersachsen mit der 20 Prozent Beteiligung an VW. Niedersachsen weist eine Verschuldung von über 52 Mrd. EUR auf und zahlt dafür jährlich Zinsen in Höhe von ca. 2,3 Mrd. EUR. Ein Verkauf der VW Beteiligung wäre für Niedersachsen eine einmalige Chance die Schuldenlast deutlich herunterzufahren. Darüber hinaus würde durch die verringerte Zinslast der Spielraum der kommenden Haushaltsentwürfe ansteigen.
Einvernehmliche Lösung noch möglich
Das Verhalten der niedersächsischen Landesregierung ist unserer Meinung nach recht kritisch zu sehen, da für eine Anzahl von 100.000 Volkswagen Mitarbeiter in Niedersachsen ein Sonderstatus, wie es ihn sonst nicht in Deutschland gibt, aufrechterhalten wird, obwohl man erstklassige Alternativen hat. Trotz aller Dementis und Anstrengungen hat Niedersachsen noch Spielraum für eine Kehrtwende.
Sollte Porsche neben dem hohen Aktienkurs zu weiteren Zugeständnissen bereit sein, könnte auch Christian Wulff sein Gesicht wahren und einer einvernehmlichen, für beide Seiten sinnvollen Lösung zustimmen. Mögliche Zugeständnisse seitens Porsche könnten beispielsweise so aussehen, dass man für Volkswagen Standortgarantien abgibt, oder Niedersachsen auch in Zukunft Aufsichtsratsmandate zugesteht. Christian Wulff selber könnte sich mit einer solchen Transaktion deutschlandweit als Politiker profilieren, der dem Schuldenabbau den Kampf angesagt hat.
Bereits die zweite Chance zur Haushaltssanierung
Eine Chance vergab Niedersachsen bereits, den Haushalt durch Anteilsveräußerungen zu sanieren, denn die Salzgitter AG, an der das Land Niedersachsen auch umfangreich beteiligt ist, notiert mittlerweile 50% unter ihrem Hoch vor rund 16 Monaten. Hätte Herr Wulff zu Kursen über 130 EUR Anteile verkauft, so könnte er nun die Anteile zurückerwerben und den Titel stützen – schade.


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