Villeroy & Boch AG: Langfristige Turnaround-Spekulation?
Montag, 18. Mai 2009
Der saarländische Keramik- und Porzellanhersteller Villeroy & Boch kann auf eine mehr als 260-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Das Alter und die Bekanntheit der Marke Villeroy & Boch kann das Unternehmen allerdings nicht vor den momentanen Folgen der Rezession bewahren. Seit einigen Monaten wird in den Kennzahlen des Konzerns ersichtlich, dass Verbraucher weniger Produkte des zumeist stilvollen Sortiments der Villeroy & Boch AG nachfragen.
Das Geschäftsjahr 2008 beendete man unter leicht rückläufigen Umsätzen noch mit einem Jahresüberschuss in Höhe von 11 Mio. EUR, wobei sich das zweite Halbjahr bereits deutlich schwächer entwickelte. Diese Entwicklung setzte sich in den ersten Monaten dieses Jahres fort, so dass der Villeroy & Boch-Konzern nach 2003 nun vor der zweiten großen Restrukturierung dieses Jahrzehnts steht.
Umfangreiches Restrukturierungskonzept prägt das aktuelle Geschäftsjahr
Das Restrukturierungskonzept beinhaltet die Streichung von knapp 10 Prozent der konzernweiten Stellen, sowie die Schließung des traditionsreichen Standortes in Luxemburg. Anhand der Umsatz- und Ergebniskennziffern des ersten Quartals wird deutlich, dass die beschlossenen Maßnahmen zwingend notwendig sind, um den Konzern für die Zukunft wettbewerbsfähig zu machen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres reduzierte sich der Konzernumsatz um 17,5 Prozent und sorgte für ein tiefrotes EBIT in Höhe von 67,6 Mio. EUR.
Die Sonderaufwendungen für die Restrukturierung haben dabei 60 Mio. EUR betragen. Klar erkenntlich wird allerdings, dass man auch ohne Berücksichtigung der Sonderaufwendungen zukünftig rote Zahlen schreiben würde. Das Maßnahmenpaket soll dieses in der Zukunft ändern. Ab 2011, nach Realisierung des Konzeptes, sollen jährlich 50 Mio. EUR eingespart werden.
Villeroy & Boch-Aktie notiert nahe den Tiefstständen
Die Villeroy & Boch-Aktie (WKN 7657239) befindet sich schon seit längerer Zeit auf Talfahrt. Der Höchststand der letzten Jahre wurde in 2007 mit über 16 EUR verzeichnet. Aktuell kann man die Papiere des Keramik- und Porzellanherstellers für ca. 3,30 EUR erwerben, wobei die Aktie heute abzüglich der für das vergangene Geschäftsjahr gezahlten Dividende gehandelt wird.
In den letzten Monaten war im Bereich über drei Euro erhöhtes Handelsvolumen zu verzeichnen, so dass wir vermuten, dass sich erste langfristig agierende Investoren bei dieser Aktie positionieren, um auf einen Turnaround in den nächsten Jahren zu spekulieren.
Fazit
Mutige Anleger können bereits jetzt auf einen Turnaround in den nächsten Jahren spekulieren. Voraussetzung für das Aufgehen der Spekulation ist die planmäßige Abarbeitung des Restrukturierungsprogrammes seitens Villeroy & Boch, sowie eine sich aufhellende Konjunktur in den nächsten Jahren. Laut Unternehmensangaben verfügt man über ausreichend Kreditlinien, so dass die Liquidität des Konzerns nicht gefährdet sei.
Für Phantasie könnte langfristig zudem das werthaltige Immobilienvermögen des Konzerns, sowie das Potential der Marke Villeroy & Boch, welche unserer Auffassung nach noch über weiteren Spielraum nach oben verfügt, sorgen. Da das Geschäftsjahr 2009 durch die vollständige Buchung der Restrukturierungskosten mit einem tiefroten Ergebnis abschließen wird empfiehlt es sich bei einem möglichen Einstieg in die Aktie gestaffelt vorzugehen.




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