Erneute Übernahme im deutschen Biotechsektor + Übernahmespekulation
Samstag, 05. Juli 2008
Am Donnerstag trauten sicherlich einige Marktteilnehmer ihren Augen nicht, als das Übernahmeangebot für die deutsche Jerini AG in Höhen von 6,25 EUR seitens der britischen Shire Pharmaceuticals über die Nachrichtenticker lief. Zu präsent mussten ihnen einfach noch die Kursturbulenzen von Jerini von vor einigen Monaten sein, als die Aktie erst nach der Ablehnung ihres größten Hoffnungsträgers durch die amerikanische FDA dramatisch einbrach, um am nächsten Tag diese Kursverluste teilweise wieder gut zu machen, da die Markteinführung in Europa genehmigt wurde. Mit dem aktuellen Übernahmeangebot, welches einen Kursaufschlag von knapp 70% bedeutet hat allerdings sicherlich kaum einer mehr mit gerechnet.
Welche Schlussfolgerungen lassen sich nun aus diesem Übernahme Deal ableiten?
Das erste kleine aber feine Detail ist kaum jemandem aufgefallen, nämlich dass die schweizerische Biotech Beteiligungsgesellschaft BB Biotech 6% der Aktien der Jerini AG hält und somit natürlich direkt von der Übernahme profitiert. Die Aktie von BB Biotech hat am Donnerstag erst verspätet und auch nur mit einem kleinen Aufschlag auf diese Tatsache reagiert. Fairerweise muss man dazu sagen, dass der Anteil von Jerini am Gesamtportfolio von BB Biotech allerdings nur 0,5% beträgt.
Wir haben uns die Beteiligungen von BB Biotech aus aktuellem Anlass einmal genauer angeschaut und kann Ihnen nur empfehlen Aktien von BB Biotech zu kaufen, falls es in den USA zu einer Übernahme von Gesellschaften wie Celgene, Gilead, Genentech oder beispielsweise Vertex kommt, da diese Biotechunternehmen im Portfolio sehr stark übergewichtet sind. Sinnvoll ist eine solche Strategie natürlich nur, wenn die Aktie von BB Biotech noch nicht wesentlich auf eine veränderte Nachrichtenlage reagiert hat. Dass es in diesem Zusammenhang zu einem Delay in der Wahrnehmung solcher Informationen am Markt kommen kann zeigt das aktuelle Beispiel mit Jerini.
Die zweite interessante und wesentlich aktuellere Frage, die nun aufgeworfen wird ist zweifelsohne: Welches deutsche Biotechnunternehmen wird als nächstes übernommen? Was oft vergessen wird, ist dass die Jerini Übernahme nicht die erste nennenswerte Übernahme im deutschen Biotechsektor in 2008 ist. Bereits im Mai hat der japanische Pharmakonzern Daiichi-Sankyo die deutsche U3 Pharma AG übernommen. Meiner Meinung nach ist es deswegen an der Zeit sich erneut mit der Medigene AG zu beschäftigen, an der man nicht vorbeikommt, wenn man sich den deutschen Biotech Sektor anschaut.
Bereits in den letzten Monaten kursierten am Markt immer mal wieder Gerüchte, dass der amerikanische Pharmakonzern Pfizer ein Auge auf Medigene geworfen hat. Die Überlegung hinter diesen Gerüchten ist, dass Pfizer mit einer schwachen Produktpipeline zu kämpfen hat und Medigene ebendiese sehr gut ergänzen könnte. Gerüchte sind immer die eine Seite der Medaille, die andere aber sieht man, wenn man sich den Kursverlauf der letzten Monate von Medigene anschaut. In einem Marktumfeld, in dem der DAX sich aktuell an das Testen der bisherigen Jahrestiefs macht zeichnet sich der Medigene Chart durch eine verblüffende Stabilität aus.
Die Aktie konnte in den letzten drei Monaten knapp 20% an Wert gewinnen. Diese Tatsache und die aktuelle Bewegung im deutschen Biotechsektor führen dazu, dass ich Medigene als eine interessante Aktie ansehe, die man unbedingt im Auge behalten sollte. Die nächsten Gerüchte und Übernahmespekulationen dürften nur eine Frage der Zeit sein, so dass der Aktienkurs sich weiter positiv entwickeln sollte.




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