Das Strabag Übernahmeangebot
Freitag, 04. Juli 2008
Seit dem 08.05.2008 steht fest, dass die an der Wiener Börse notierte Konzernmutter Strabag SE für ihre Tochtergesellschaft, die Strabag AG 260 EUR je Aktie bietet. Das Übernahmeangebot ist an keine weiteren Bedingungen geknüpft und läuft bis zum 22 Juli 2008, 16:00Uhr (MESZ). Die Aktionärsstruktur der Strabag AG sieht momentan so aus, dass die Strabag SE bereits knapp 67% der Aktien kontrolliert. Desweiteren hält ein polnischer Fonds knapp über 5 % der Aktien. Die restlichen 28% der Aktien befinden sich im Streubesitz, ohne dass sich momentan weitere größere Aktionärsgruppierungen herauskristallisieren.
Die Absicht des Mutterkonzerns kann es nur sein, die deutsche Strabag von der Börse zu nehmen, um auf diesem Wege ein Börsenlisting einzusparen und die Konzernstruktur übersichtlicher zu gestalten. Seitens des Unternehmens wird das nicht so direkt kommuniziert, sondern vielmehr wird darauf hingewiesen, dass man den Aktionären in dem recht illiquiden Titel eine attraktive Exit Möglichkeit bieten will.
Darüberhinaus werden die Unternehmenssprecher auch nicht müde zu betonen, dass es eine Nachbesserung definitiv nicht geben wird, obwohl es mehrere Stimmen gibt, die betonen, dass die gebotenen 260 EUR nicht den wahren Wert des Unternehmens wiederspiegeln. Nichtsdestotrotz vermute ich, dass das Ziel nur das Delisting sein kann, da das Übernahmeangebot ansonsten relativ wenig Sinn macht. So hat man mit den knapp 67% der Aktien, praktisch eine Hauptversammlungspräsenz sicher, die in der Lage ist entscheidende Änderungen durchzusetzen.
Wir sind auf die Aktie der Strabag AG aus folgenden Gründen aufmerksam geworden:
Um ein Unternehmen von der Börse zu nehmen und die Minderheitsaktionäre aus dem Unternehmen zu drängen, muss man 95% der ausgegebenen Aktien hinter sich vereinen und erst dann kann man ein Squeeze Out Verfahren einleiten. Genau diese 95% Mehrheit kann die Strabag SE aber nur dann erreichen, wenn sie sich mit dem Polnischen Fonds, der 5,07% der Stimmanteile hält über eine Annahme des Angebots einig wird.
Wir fragen uns deswegen aus welchen Gründen der Fonds seine recht komfortable Machtposition in diesem Poker einfach so aufgeben sollte und ob nicht doch eine Chance besteht, dass nach Ablauf des Angebotes noch einmal nachgebessert wird. Für mich sind diese Gedankengänge auf jeden Fall ein Grund, die Aktie regelmäßig im Auge zu behalten, insbesondere nach dem 22.07.2008. Interessant und ausschlaggebend für den weiteren Kursverlauf wird auch das Ergebnis der Annahmequote sein.
Schnäppchenjäger haben vielleicht schon die nächsten Tage immer mal wieder die Chance Aktien der Strabag AG für unter 260 EUR zu ergattern. Die letzen Tage gab es zwei größere Umsätze knapp über 259 EUR. Da das Übernahmeangebot an keine weiteren Bedingungen geknüpft ist ergibt sich so möglicherweise eine Chance für clevere Anleger, wobei natürlich hinzuzufügen ist, dass sich so etwas erst bei einigen Euro unter 260 EUR anfängt richtig zu rechnen.
In dem momentanen Marktumfeld kann man ein Szenario nicht ausschließen, bei dem beispielsweise ein Marktteilnehmer kurzfristig Strabag Aktien liquidieren muss, da er in anderen Positionen eine Schieflage hat. Falls es zu Geschenken kommen sollte, dann sollte man diese auch annehmen!


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