Air Berlin geht in die Offensive
Dienstag, 29. Juli 2008
Die letzten Tage und Wochen waren hart für Deutschlands zweitgrößte Airline, denn es verging kaum ein Tag an dem Air Berlin nicht mit negativen Schlagzeilen zu kämpfen hatte. Angefangen von der Bemerkung des Ryanair Chefs Michael O’Leary, der bei Air Berlin keine Flugtickets mehr für den Winter kaufen würde und der deutschen Airline eine schwierige Zukunft prophezeite, bis hin zu der in der letzten Woche veröffentlichten Analystenstudie der Investmentbank Dresdner Kleinwort, die bei der Aktie von Air Berlin das Kursziel 0 ausgibt. Kein Wunder also, dass die Talfahrt der Airlineaktie, die im letzten Sommer noch 14 Euro wert war, noch einmal beschleunigt wurde.
Am Wochenende wehrten sich Sprecher der Fluggesellschaft, sowie der Firmenchef Joachim Hunold persönlich auf mehreren Medienkanälen, gegen die in ihren Augen einseitige Berichterstattung von Wettbewerbern und Banken in den letzten Wochen und erläuterten ihre Sicht der Dinge. In der WirtschaftsWoche skizzierte Hunold im Interview mit dem Effizienzprogramm die Maßnahmen, die Air Berlin angestoßen hat, um sich für die Zukunft besser aufzustellen und schließt darüberhinaus weitere Einschnitte beispielsweise die Reduzierung der Jetanzahl nicht aus.
Gegenüber der Bild Zeitung wird der Firmenchef noch deutlicher und lässt verlauten, dass Air Berlin weder vor der Pleite stehe, noch die Lage der Fluggesellschaft brenzlig sei. Klare Worte also seitens der Fluggesellschaft, die allerdings auch bitter notwendig sind, um nicht weiter in die Ecke der insolvenzgefährdeten Airlines gerückt zu werden, was sowohl einen Vertrauensverlust der Kunden, als auch der Aktionäre zur Folge hätte und damit weitreichende Folgen für das Unternehmen haben würde.
Den positiven Pressemeldungen vom Wochenende steht allerdings die Aktienkursentwicklung am gestrigen Handelstag gegenüber, bei der deutlich wird in welchem Maße Aktionäre inzwischen das Vertrauen in die Fluggesellschaft verloren haben. Trotz der positiven Nachrichtenlage war der erste gehandelte Kurs mit 3,60 EUR der Tageshöchstkurs und im weiteren Tagesverlauf ging es abwärts bis auf knapp 3,40 EUR.
Ebenfalls auffällig war die letzten Tage, dass sich die Air Berlin Aktie im Zuge der Ölpreiskorrektur nicht wie beispielsweise die Lufthansa Papiere deutlich erholen konnte. Beides deutet somit daraufhin, dass der Markt die Lage um Air Berlin um einiges anders beurteilt, als dieses das Management der Fluggesellschaft tut.
FAZIT: Trotz positiver Aussagen seitens der Fluggesellschaft scheint mir aufgrund des angespannten Kursniveaus die Zeit noch nicht reif für eine Rebound Spekulation auf die Air Berlin Aktie. Belastende Faktoren könnten die nächsten Tage auch ein wieder ansteigender Ölpreis sein. Darüberhinaus scheint die Deutsche Bank laut den letzten Stimmrechtsmitteillungen weiter ihren Anteil zu reduzieren, so dass davon auszugehen ist, dass sich weiter ein Verkäufer im Markt befindet.
Interessant wird die nächsten Tage, ob das bisherige Tief von 3,16 EUR und desweiteren die 3 Euro Marke noch einmal getestet bzw. verteidigt werden kann. Ein erfolgreicher Test der 3 Euro Marke oder positive Verkehrszahlen für den Monat Juli könnten einen Trigger für einen Rebound darstellen. Die nächsten Verkehrszahlen werden am 06. August veröffentlicht und könnten aufgrund des Streiks bei der Lufthansa für eine positive Überraschung sorgen.


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